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Mörderjagd im Zickenkrieg


29.06.2010

Trebgast - Wenn acht Frauen in einer abgelegenen Villa in der französischen Provinz unter sich sind, liegen unterschiedliche Assoziationen nahe: Neben der Version "Superlustiges, männerfreies Frauen-Plauder-Wochenende" kommen einem direkt auch so böse Dinge wie Zickenkrieg und Stutenbissigkeit in den Sinn. Wie das Beisammensein in Abgeschiedenheit der "Acht Frauen" in Robert Thomas' gleichnamiger Kriminalkomödie verläuft, führte am Freitag das Laienensemble der Naturbühne Trebgast in der letzten Premiere der Spielzeit vor.

Der Grund der Zusammenkunft ist eigentlich ein erfreulicher: Des Hausherrn Marcels Geburtstag. Doch am Geburtstagsmorgen findet ihn Stubenmädchen Louise erstochen in seinem Zimmer auf. Um die einsame Villa toben Sturm und Gewitter (passend zum aktuellen Wetter am Freitag vor Ort!), und nach der Entdeckung des durchgeschnittenen Telefonkabels und der Vergiftung der Wachhunde wird allen schnell klar: Die Mörderin muss unter ihnen sein.

Das Stück spielt durchgehend im Inneren der Villa, bunt und im Stil der 60er Jahre geschaffen von André Putzmann. Aufgabe von Regisseur Stefan Masel ist es nun, die Charaktere der einzelnen Frauen während der Aufklärung des Mordes möglichst präzise zu umreißen - und das gelingt ihm in Zusammenarbeit mit seinem Schauspielerinnen-Team perfekt.

Da wäre zunächst Hausherrin Gaby; Hilde Volkmann verleiht ihr Haltung und kühle Distanz. Ganz anders die beiden Töchter: Die quirlige, vorlaute Catherine (Natascha Eckert) kämpft mit der Pubertät, während ihre ebenfalls sehr lebenslustige Schwester Susann (Eva-Maria Thoma) bereits in England studiert.

Versorgt werden sie von Anette Lachance als Madame Chanel, die die Familie liebt, als wäre es ihre eigene (und obendrein sehr beeindruckende sängerische Fähigkeiten an den Tag lebt) und dem neuen Stubenmädchen Louise (Sonia Da Silva-Schmidt), die nicht mit ihren weiblichen Reizen geizt und sich zu Höherem als zum Dienst im Haus berufen fühlt. Pierette, Marcels Schwester (Diana Canola), wirft man ihre männerreiche Vergangenheit vor - wobei die Frage offen bleibt, welches Geschlecht sie tatsächlich vorzieht. Ebenfalls Hausbewohnerinnen: Augustine, die verklemmte Schwester Gabys, herrlich vielschichtig, aber hauptsächlich hysterisch dargestellt von Bärbel Schaller-Böhme, und der Publikumsliebling des Abends, Christl Haßfürther als geizige Oma "Mamy". Nachdem sie sich zum Erstaunen aller aus dem Rollstuhl erhoben hat, kommentiert sie das Geschehen mit trockenem Humor im Stil eines fränkischen Golden Girls und genehmigt sich dann und wann ein Schlückchen Portwein aus dem Flachmann - köstlich.

Unterschiedlichste, zum Teil skurrile Geheimnisse tragen die Frauen mit sich herum, die teils von ihnen selbst, teils von ihren Rivalinnen ans Licht gebracht, gezerrt werden. Auch zwei Musikvorträge mit viel Atmosphäre streut der Regisseur ein. Langsam gehen Zuschauern wie Akteuren die Augen auf, bevor die Kriminalkomödie am Ende noch völlig ungeahnte Wendungen nimmt. Wer wissen möchte, welche, der sollte sich selbst ein Bild machen von der extrem bejubelten Inszenierung.

Quelle: Frankenpost vom 29.06.2010

 
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