

„Pippi“, der Liebling, nicht nur der Kinder04.06.2012 Trebgast - „Zwei mal drei macht vier, Widdewiddewitt und Drei macht Neune! Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt!“ Nicht nur die Kinder, sogar viele Erwachsene im Publikum haben spontan die Erkennungsmelodie mitgesungen, die Pippi (Annika Ködel), befreit und erleichtert über die Bühne wirbelnd, am Ende der Aufführung anstimmte. „Es war eine grandiose Premiere auf der Naturbühne, die alle Besucher restlos begeisterte und an die sich alle noch lange erinnern werden“, betonte Michael Bähr, einer der Vorsitzenden der Naturbühne, bei der Premierenfeier. Eine Vorstellung, bei der auch die älteren Semester im Publikum auf ihre Kosten gekommen sind, und mit ihrem Lachen teilweise sogar noch die jüngeren Besucher übertrafen. Alle zusammen belohnten und verabschiedeten die Schauspieler mit heftigem Applaus und Standing Ovations. Auch das hat man auf der Naturbühne Trebgast noch nicht gesehen: Viele Kinder, aber auch Erwachsene, wollten sich nach der Premierenvorstellung mit „Pippi“ fotografieren lassen. Man sollte mit Superlativen sehr vorsichtig umgehen: Aber wie die Hauptfigur in Astrid Lindgrens Kinderstück eineinhalb Stunden lang die Szene beherrschte, war schon fabelhaft. Ohne die Leistung des gesamten Ensembles zu schmälern: Sie war der absolute Star in einer eindrucksvollen Inszenierung, für die erstmals Elmar Rasch aus Gelsenkirchen verantwortlich war. Ihm war es zu verdanken, dass während der zweimonatigen Probenzeit eine herzliche und kollegiale Atmosphäre in der Treppe herrschte. Was man mit Ruhe und einer Engelsgeduld erreichen kann, habe man heute gesehen, war Vorsitzender Siegfried Küspert voll des Lobes über den Regisseur. „er hat den Kindern erklärt, wie sie es zu machen haben, er hat es ihnen achtmal vorgemacht, und sie haben gar nicht gemerkt, dass sie es sechzehnmal nachmachen mussten.“ Trotz der Tatsache, dass die Schule mit immer mehr Nachmittagsunterricht dauernd anspruchsvoller wird, schaffen es viele Kinder, hier mitzuspielen und dabei die Schule nicht zu vernachlässigen. „Das ist bemerkenswert, und das macht uns wirklich stolz“, betont Siegfried Küspert. Und der Regisseur ergänzt: „Es ist nicht schwieriger, mit Kindern zu arbeiten. Erwachsene können eine Kinderrolle nicht so gut an das kleine Publikum projizieren wie Kinder. Die „Villa Kunterbunt“ und ihre freche, rothaarige Bewohnerin mit den zwei abstehenden Zöpfen; Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, genannt Pippi, wird nicht nur für ihre Freunde Tommy und Annika zum Synonym für Freiheit und Unabhängigkeit. Sie wohnt dort allein mit ihrem Pferd „Kleiner Onkel“ und ihrem Affen „Herr Nilsson“ und kann tun und lassen, was sie möchte - ein Wunschtraum für alle kleinen und großen Kinder. Pippi lebt scheinbar wie im Paradies. Zu ihrem Glück fehlen ihr nur noch die Oster-, Sommer- und Weihnachtsferien, die ihre Freunde Tommy (Florian Potzel) und Annika (Saskia Luthardt) bekommen, die die Schule besuchen. Doch da sind auch noch diese Erwachsenen, allen voran die Vorsitzende des Waisenrates der Stadt, Frau Prysselius (Patricia Lerner, in ihrer Artikulierung herzerfrischend komisch), die sich in den Kopf gesetzt hat, Pippi mit Hilfe zweier Polizisten (Florian Dietel, Thorsten Neukam) – durch ihre Mimik ein ums andere Mal verantwortlich für richtige Lachsalven im Publikum - in ein Kinderheim zu stecken. Pippis logische Antwort: „Ich bin ein Kind und habe ein Heim, also wohne ich in einem Kinderheim“, bringt Frau Prysselius fast zur Weißglut, und die beiden Cops immer wieder in für sie ungemütliche und peinliche Situationen. Denn Pippi ist das stärkste Mädchen der Welt. Ob es der „starke Gustav“ (Siegfried Küspert) ist, bei dessen Erscheinen auf dem Jahrmarkt der Stadt ein bewunderndes Raunen durch das Publikum ging, der aber im Vergleich mit Pippi den Kürzeren zieht. Oder die beiden Diebe (Elisabeth Feulner, Diana Hentschel), die ihr den Koffer mit den Goldtalern abluchsen wollen. Oder die Lehrerin (Silke Ködel)), die ihr die Multiplikation und das Alphabet beibringen will. Oder das Kaffeekränzchen bei Frau Settergren (Verena Weinmann), bei dem Pippi den Damen den Appetit auf die Torte verdirbt. Es war ganz nach dem Geschmack der jungen und junggebliebenen Zuschauer, dass Pippi ihren Peinigern immer einen Schritt voraus ist. Verschiedene Szenen mit den beiden tollpatschigen Polizisten, sowie das Kaffeekränzchen kommen durch einzelne Slapstick-Situationen erst richtig zur Wirkung. Es ist wie beim Kasperle: Die Kinder sind normal, die Erwachsenen sind die Idioten. „Wenn ich die Gäste der Kaffeetafel nur hinsetze und ihren normalen Text sprechen lasse, wäre das ja langweilig“, erklärt der Regisseur, der bekennt, auch heute noch lachen zu können, wenn er sich ‚Stan und Olli‘ anschaut. „Ich muss mit den Damen etwas anfangen, damit eine unterhaltsame Szene gezeigt wird. Florian Potzel hat als „Tommy“ ebenso voll überzeugt wie Saskia Luthardt als „Annika“. Er hat sich damit das schönste Geburtstagsgeschenk selbst gemacht, denn er wurde am Premierentag zehn Jahre jung. Bereits zum dritten Mal nach „Schneewittchen“ und „Jim Knopf“ spielt er auf der Bühne mit. Wie lernt er seinen Part? „Ich lese mir den Text der einzelnen Szenen ein paarmal durch. Dann fragt mich meine Mutter ab: Sie sagt immer, was davor kommt, und dann muss ich meinen Text sprechen.“ Dieses Jahr ist sein bisher lustigstes Stück. Vor allem die sechste Szene mit den Polizisten findet er sehr amüsant. Was veranlasst eine junge Erwachsene, sich noch ein Kinderstück anzuschauen? Ramona Köhler (18) aus Kulmbach besuchte schon die letzten Jahre jedes Stück. Freiwillig, wie sie extra betont. „Das macht richtig Spaß. Ich spiele auch beim Schultheater mit, alles natürlich deutlich kleiner. Pippi war richtig toll, und auch die beiden Polizisten haben es gut gemacht“, ist sie wieder begeistert. Noch total aus dem Häuschen waren Felix (9) und Nils (6) Sölter, als sie in der Pause ein Eis schleckten. Felix hat besonders gefallen, „als der Polizist gerufen hat: Stell doch bitte, bitte, bitte die Leiter wieder hin.“ Er ist fast nicht mehr zu bremsen: „Bleibt schön hier, das Gold gehört mir“, schildert er noch genau die Szene mit den beiden Dieben, die Pippi den Koffer mit dem Gold abluchsen wollten. „Dann hat Pippi die Füße der Diebe gefesselt, und die mussten nach Hause hüpfen.“ Sein Bruder Nils konnte sich fast totlachen, „als Pippi dem Polizisten einen Nasenstüber gegeben hat, und der dann umgefallen ist.“ Den Film haben sie daheim als DVD. Anja und Sabrina Gimpel aus Bayreuth schauen sich die Premiere mit ihrer Freundin Eva-Maria Rauh aus Mistelgau an. Am lustigsten finden sie „Pippi“, und am schönsten „Annika“. Sie kennen das Stück bereits aus dem Fernsehen und können auch über die Polizisten herzhaft lachen. „Am coolsten war die Szene mit den Polizisten als die Leiter weg war“, fand Lukas Popp (11) aus Kulmbach. Das Buch hat er noch nicht gelesen, obwohl es seine Mama zuhause hat. „Aber den Film habe ich schon gesehen.“ 03.06.2012, Dieter Hübner |
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