Degenspiel um Macht und Liebe
25.05.2010
Degenspiel um Macht und Liebe
Zum Auftakt der Trebgaster Festspielsaison zeigt Michal Sykora „Die drei Musketiere“. Trotz aufregender Kämpfe und witziger Ideen bleibt die Inszenierung hinter den Erwartungen
zurück.
Von Ulrike Sommerer
Trebgast - Bildgewaltige und dichte Mantel-und-Degen-Szenen vieler Verfilmungen im Kopf, sind die Erwartungen an die Premiere der "drei Musketiere", die gleichzeitig Auftakt der neuen
Festspielsaison auf der Naturbühne in Trebgast ist, enorm. Der erste Eindruck hält ihnen nicht stand: Minimalistisch. Ein Bretterverschlag in der Mitte der Bühne, am Rand ein paar
Hocker, ein Tisch, etwas weiter oben ein weiterer.
Die Handlung des Stücks - der junge D'Artagnan stößt zu den drei Musketieren Athos, Aramis und Porthos, gemeinsam retten sie die Ehre von Königin Anna, gegen die der
machthungrige Kardinal Richelieu intrigiert. Das gibt an und für sich nicht viel her. Der Geschichte fehlt ein Spannungsbogen, trotz vieler Kämpfe das Tempo, viele Andeutungen werden
nicht aufgelöst (zum Beispiel die, dass Athos' Frau die intrigante Lady Winter sein muss).
In den vergangenen Jahren hat Regisseur Michal Sykora mit seinen Inszenierungen auf der Trebgaster Naturbühne für Furore gesorgt. Hinter diesen Ansprüchen bleibt er mit seinen
"Musketieren" zurück.
Doch die Trebgaster Laienspieler machen das Beste daraus. Auch wenn sie - das Stück sieht es einfach nicht vor - ihr Können nicht in letzter Brillanz ausspielen können. Es fehlt
die Hauptperson. Die guten Leistungen der Spieler - hervorzuheben sind hier vor allem Michael Bähr als D'Artagnan, Florian Dietel als Athos, Joachim Böhm als Porthos, Marc Lachance als
Rochefort, Sigrud Sundby in der Doppelrolle als katholisch-intriganter Kardinal und als verliebter Lord Buckingham, und Carolin Feulner als Constanze Bonacieux - können sich wenig entfalten.
Allerdings: Die Fecht- und Prügelszenen, die das Stück immer wieder beleben, sind phänomenal. Alle Achtung, was die Laienspieler der Trebgaster Bühne hier zeigen. Die
Zuschauer halten den Atem an - selbst wenn sie wissen, dass natürlich die Musketiere gewinnen. Sie seufzen inniglich, wenn sich D'Artagnan und Constanze ihren leidenschaftlich-zarten
Gefühlen hingeben. Und sie lachen herzlich, als sie ins England des Lord Buckingham entführt werden, der zum Dudelsackgedudel irischen Stepptanz zeigt, ohne es zu können. Der
wandelbare Sigrud Sundby zeigt hier wunderbar komödiantisches Talent und ist, sobald er den Kardinalsrock trägt, augenblicklich wieder die Inkarnation intriganter, kirchlicher
Machtgeilheit.
Und auch das minimalistische Bühnenbild (André Putzmann) hat es in sich. Es bietet zahlreiche Möglichkeiten und Luken für (oft überraschende) Auf- und Abgänge.
Seine Wandlungsfähigkeit zeigt sich vor allem in der Bettszene Lord Buckinghams und Lady Winters, als ein ausfahrbares Bett und Schattenspiele den Verschlag in ein opulentes Schlafgemach
verwandeln.
Die Trebgaster Bühne zeigt auch mit den "Musketieren" die in den vergangenen Jahren stets gesteigerte gute Leistung. Indes: Es ist in diesem Fall vielleicht das falsche Stück.
Quelle: Frankenpost vom 25.05.2010
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