Schlitzohriges Gag-Feuerwerk auf FränkischDer verkaufte Großvater
31.05.2010
Schlitzohriges Gag-Feuerwerk auf Fränkisch
Der Naturbühne gelingt mit „Der verkaufte Großvater“ Unterhaltung in bester Komödienstadl-Manier.
Von Ulrike Sommerer
Trebgast (durchtriebener Viehhändler kauft armen Bauern den Großvater ab, weil er sich von diesem eine große Erbschaft erhofft), wie's ausgeht, ist auch klar (am Ende ist der
Viehhändler der Dumme, die beiden Kinder kriegen sich sowieso). Warum also hingehen, zum Stück "Der verkaufte Großvater", das die Spieler der Trebgaster Naturbühne heuer
zeigen? Ganz einfach: Weil es Spaß macht und man drei Stunden gut unterhalten wird.
Keine Experimente: Jürgen Peter inszeniert den "verkauften Großvater" als fränkisches Volksstück in bester Komödienstadl-Manier. Der Inszenierung folgt das
Bühnenbild von André Putzmann - eine reiche Hofstatt und das Häuschen eines armen Schluckers samt ärmlichem Misthaufen. Solides Handwerk, kein Schnickschnack. Den braucht es
für solch ein Stück ja auch nicht. Was den "verkauften Großvater" aber zu amüsanter Unterhaltung macht, sind die Akteure auf der Bühne. Ein Gag folgt dem anderen, nie
entstehen Pausen, die Schauspieler halten das Tempo bis zum Schluss durch.
Im Programmheft steht, dass das Stück von materieller Not, Geiz und Gewinnsucht, Erbschleicherei und Kuppelei handelt, von geheuchelter Nächstenliebe bis hin zum immer problematischer
werdenden Umgang mit der älteren Generation. Natürlich sind das die Themen, doch sie sind nur Grundlage für vordergründigen Witz. Gesellschaftskritisch ist das Stück
nicht, will es auch gar nicht sein. Das Stück ist leichte Unterhaltung. Und der wird die Trebgaster Bühne mit ihrer Version des "verkauften Großvaters" gerecht.
Die Rollen hätten nicht besser besetzt werden können: Georg Küfner spielt einen schlitzohrigen Großvater, Walter Richter den schleimig-hinterfotzigen Viehhändler, Sonja
Bayer seine herrlich hysterisch-herrische Gattin. Siegfried Küspert als armer Bauer, Gabi Bähr als Magd Kathrin, Florian Popp als Fritz und Mona-Isabelle Peter als Eva komplettieren das
Ensemble. Eine feine, wenn auch kleine Rolle, füllt Alfred Wruck mit Leben: Er ist Knecht August mit nordischem Einschlag.
Gesprochen wird fränkisch, der Text wurde mit viel Lokalkolorit und Aktualität versehen. Da ist von der Milch-Bärbel die Rede und von Kengst (Ködnitz), da finden sich
Kulmbacher Ausdrücke ebenso wie der Bezug zur Euro-Krise.
Das Publikum wird von Anfang an mitgenommen, ins volkstümliche Geschehen: Zum Start wird gesungen, aber gemeinsam! Bei einem Loblied auf uns Oberfranken singen alle beim Refrain mit. Ein
kleiner Wehmutstropfen ist hier, dass Strophen und musikalische Begleitung vom Band kommen. Ein paar Musikanten als leibhaftiges Gegenüber - dann wär's perfekt.
Quelle: Frannkenpost 31.05.2010
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