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Shakespeare in Trebgast - der Wahnsinn ist greifbar


11.06.2012

Trebgast - Mit der letzten Premiere in dieser Saison verwandelte sich die Naturbühne Trebgast am Freitag in einen zauberhaften Feenwald. William Shakespeares "Sommernachtstraum" in der Regie von Michal Sykora hinterließ das Publikum liebestrunken - was die Theaterkunst angeht.

Zahlreich waren die Besucher aus jeder Altersgruppe erschienen - trotz Fußball-Europameisterschaft. Das Ziel, ein altehrwürdiges Stück einzigartig neu für die Naturbühne zu inszenieren, ohne seinen Charakter zu verwunden, ist Regisseur Sykora gelungen. Verantwortlich dafür ist außerdem ein hohes Maß an schauspielerischem Können gepaart mit sichtlicher Spielfreude. Bühne, Kostüme und Lichttechnik setzen dabei eher auf Minimalismus, entfachen den Zauber des Ortes und lassen den Figuren ihren notwendigen Raum.

Opfer des schabernackig-schönen Elfen Puck (David Reichstein) und des anmutig-herrschsüchtigen Elfenkönigs Oberon (Rainer Dohlus) werden an diesem langen Theaterabend nicht nur Lysander (Michael Bähr) und Elfenkönigin Titania (Carolin Feulner). Auch der Zuschauer verliebt sich neu: in das einzigartige Ensemble.

Großen Anteil daran haben die "Handwerker": Zimmermann Squenz (Benedikt Lehmann), Schreiner Schnock (Michael Vogler), Weber Zettel (Markus Müller), Bälgenflicker Flaut (Daniel Ganzleben) und Kesselflicker Schnauz (Doris Stein) mit ihrer sehr direkten "Theaterkunst". Das Stück im Stück, gespielt von Darstellern, die es wirklich können, spielt in komischer Direktheit mit Sein und Schein, Anspruch und Wirklichkeit, Kunst und Verderben - ein Musterbeispiel dafür, wie Theater nicht gespielt werden sollte. Traum und Realität, Fantasie und derbe Direktheit fließen hier ineinander, der Wahnsinn ist greifbar. Witzige Einlagen wie die allzu wörtlich genommene Rolle in Toilettenpapierform kokettieren mit dem Intellekt.

Sehr sportlich geben sich die Akteure. Bei Kampf- und Verwandlungsszenen wird insbesondere Lysander, Demetrius (Philipp Gehringer) und Puck einiges abverlangt. Einen grandiosen Auftritt hat auch die holde Weiblichkeit: In die Rolle der Hermia schlüpft Eva-Maria Thoma, Helena wird von Sonja Welsch gespielt; Hermias Vater ist Michael Vogler. Das Gefolge der Elfenkönigin (Diana Canola, Francesca Canola, Gabi Kranz, Kathrin Meier, Sabrina Schmidt, Susanne Handke) bezaubert mit Selbstverliebtheit. Überhaupt: Anmut (Patricia Wagner als Amazonenkönigin und Rainer Dohlus als Herzog von Athen), Schauspielkönnen und Musik machen die Vorstellung zu einem echten Sommernachtstraum, der kalten Frühlingsnacht zum Trotz. Schön ist auch, wenn Publikumsliebling Puck zur Tuba greift und singt.

Dass man mit der Kombination "Sommernachtstraum" und Film punkten kann, hat der Regisseur Jean-Christophe Averty mit "Le songe d' une nuit d'été" bereits 1969 gezeigt. Auch Michal Sykora spielt mit dem Medium Film. Er nutzt es als Hintergrundkulisse, die eher der Darstellung von Realität dient als der Fiktion. Etwas mehr Atmosphäre verdient hätte jedoch die Jagdszene mit den Reitern. Eine Technikpanne mit dem Umschalten aufs schnöde Bildschirmcover dagegen unterstreicht eher den Charme, der Theater so lebendig macht.

Quelle: Frankenpost 11.06.2012

 
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