

Bayerischer Amateurtheater-Preis für die “Faust”-Inszenierung29.07.2012
And the winner is – Naturbühne Trebgast Trebgast/Fürth - „Ein ereignisreicher Tag, das passiert ja nicht alle Tage. Für mich ist das der ‚Amateurtheater-Oscar‘. Das ist schon einmalig in der Geschichte der Naturbühne“, kommentierte ein stolzer Vorsitzender. Siegfried Küspert schätzt den ideellen Wert des Preises höher ein als den materiellen und sieht ihn auch als Verpflichtung, dem Publikum weiterhin sowohl unterhaltsames, als auch anspruchsvolles Theater zu bieten.
Auf „Bayern 1“ wurde am Samstag zwar mehrmals auf die Verleihung des Bayerischen Amateurtheater-Preises an die Naturbühne Trebgast, den das Ensemble mit der letztjährigen Inszenierung des „Faust“ gewonnen hatte, hingewiesen. Zur Veranstaltung selbst, in der Comödie Fürth, dem Stammhaus von Volker Heissmann und Martin Rassau, war an diesem Abend aber weder der Bayerische Rundfunk, noch das Bayerische Fernsehen, vor Ort. Das nahm der Präsident des Verbandes Bayerischer Amateurtheater, Horst Rankl, zum Anlass, gegenüber den anwesenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft seine tiefe Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen. Er empfinde diese Abwesenheit als beschämend. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, zwei fränkische Sieger-Bühnen, die in einer fränkischen Stadt ausgezeichnet werden, in den Mittelpunkt einer Berichterstattung zu stellen. „Es kann nicht wahr sein, so eine wichtige Veranstaltung eines so großen Verbandes wie unserem, zu ignorieren“, äußerte er deutlich seinen Unmut. Er verwies auf das ehrenamtliche Engagement der 40 000 Schauspielerinnen und Schauspieler, die in den 620 Mitgliedsbühnen aktiv sind, und machte auf deren großen persönlichen, nicht unbedeutenden Einsatz aufmerksam, dem man als Beitrag zur Förderung der bayerischen Kultur wieder zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen wolle. Die Jury bewertete die eingereichten Bewerbungsvideos nach einem einheitlichen Kriterienkatalog, wobei mimische und gestische schauspielerische Leistung, Spielfreude, Gemeinschaftsgeist, Harmonie, körperliche Dramaturgie, Regieführung, Bühnenbild, Kostüme und Requisiten unterschiedlich gewichtet wurden. „Wenn sich die Naturbühne Trebgast an Goethes ‚Faust‘ wagt, dann muss sie schon gut sein. Und sie sind gut. Chapeau“, urteilte der Vorsitzende des Bezirks Oberbayern, Sepp Käser, der die Laudatio hielt. „Was uns hier präsentiert wurde, geht weit über das Laienhafte hinaus.“ Mit einer großartigen Dramaturgie, einer überzeugenden Personenregie, reich an Einfällen, feiner Choreografie, durchdachtem Hokuspokus (Hexenküche und Walpurgisnacht) und einer unkonventionellen Form der Darstellung sei dem Ensemble der Naturbühne Trebgast eine Inszenierung gelungen, die ein mitreißendes Theatervergnügen biete. In einem fünfundzwanzigminütigen Video wurden dem Publikum Ausschnitte aus Michal Sykoras Inszenierung vorgestellt. Danach stürmte das Ensemble das Podium. Mittendrin Landrat Klaus Peter Söllner, der „seine“ Bühne zu diesem Event begleitete. Siegfried Küspert nahm die Urkunde und den zweigeteilten Preis entgegen: Einen Geldbetrag und den „Larifari“. Diese literarische Kasperl-Figur des Münchner Marionettentheaters, die ähnlich der Typen der Commedia dell´arte bald auch auf der großen Theaterbühne agierte und zum Sinnbild für Spaß und Freude, Tief- und Hintergründiges wurde, wurde von Franz Graf von Pocci (1807 bis 1876) geschaffen, dem Zeremonienmeister und späteren Hofmusikintendanten König Ludwigs I. von Bayern. Mit Peter Kuhn als Moderator, bekannt vom Veitshöchheimer Fasching, und dem „Frankensima“ Philipp Simon Goletz als musikalischem Begleiter, waren zwei weitere Franken Garanten für die Präsentation und Würdigung auch der anderen, gleichrangigen Preisträger, dem Jugendtheater Martinszell e. V. und der „KultBurg“ Alzenau e. V.
29.07.2012, Dieter Hübner |
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