Via Mala

Im Brockhaus von 1928 steht unter dem Stichwort Via Mala verzeichnet: „Via Mala (Böser Weg) Engpass des Hinterrheins, zwischen den Tälern Schams und Domleschg im schweizerischen Kanton Graubünden, mit Poststraße, die sich später beim Dorfe Splügen in die Splügen- und Bernhardinerstraße teilt „ In späteren Lexika findet man noch die zweite Erklärung „auch der Titel eines sehr bekannten Romans des Volksschriftstellers John Knittel, der in dieser Gegend spielt.“ In Kinttels Roman wird die Bezeichnung einer Landschaft zum Symbol für das Leben einer Familie. Der böse Weg ist ihnen durch die Landschaft geradezu vorgezeichnet. Das „Jeff“, jenes finstere Seitental der Via Male, beherbergt eine Sägemühle und diese eine Familie. Nur mit Mühe gelangt man ins Jeff. Früh wird es dunkel im engen Taleinschnitt. Und spät geht die Sonne auf. Der Winter erfordert Vorsorge, denn nur zu oft ist das Tälchen völlig abgeschnitten von der Außenwelt. In dieser Einsamkeit tyrannisiert ein versoffener, verkommener Sägemüller seine Frau und Kinder, von niemandem bemerkt verwandelt er ihr ohnehin schweres Leben in unerträgliches Elend. Und die Familie wagt nicht, irgendwem im fernen Städtchen ihre Not zu klagen, teils aus falsch verstandener Loyalität dem Vater gegenüber, teils aus nur zu verständlicher Angst.

Regie: Karlheinz Komm