Ein Sommernachtstraum

Kaum ein anderes Stück dürfte für die herrlich gelegene Naturbühne Trebgast, mit ihrem Wald, mit ihren Felsen, geeigneter sein als „Der Sommernachtstraum“ von Shakespeare. „Es ist eine Dichtung, die die Erde tanzen macht“ schreibt Alfred Polgar. Zwischen Palast und Wald, zwischen gesellschaftlichem Sittengesetz und außersittlichen, naturischen Kräften, spannt sich das Stück. So komisch die Verwirrung der Liebenden mit dem Wechsel ihrer Partner sein mag, hinter ihr steht die Gewalt des anarchischen Eros: sie sind dem Zauber des panischen Oberons ausgeliefert und zusammengetrieben von seinem faunischen Puck. Unter dem Streit Oberons und Titanias leidet die Erde; die Welt der Elementarwesen und Naturdämonen ergreift Besitz vom Menschen und offenbart im traumhaften Spiel den elementaren, dämonischen, gesetzlosen Urgrund seiner Seele. Erst die Versöhnung Oberons mit Titanias kann den Aufruhr der übermenschlichen und innermenschlichen Kräfte beenden, und nur mit ihrem Segen kann das gesellschaftliche Sittengesetz bestätigt und in seiner Würde wieder eingesetzt werden. Wie immer man das Werk auch betrachtet, der „Sommernachtstraum“ bleibt eine der genialsten Komödien der Weltliteratur, in der sich Romantik und Realismus, die menschen- und Geisterwelt zu einem wunderbaren Ganzen verbindet.

Regie: Toni Graschberger