Der Biberpelz

In diesem Jahr fiern die Sommerspiele der Naturbühne Trebgast ihr 30jähriges Jubiläum. Diesem feierlichen Ablass entspricht die Wahl eines besonderen Werkes: zum ersten Mal erscheint Gerhart Hauptmanns „Biberpelz“ auf dem Spielplan von Trebgast. Gerhardt Hauptmanns „Biberpelz“ ist neben Heinrich Kleists „Der zerbrochene Krug“ und Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ eine der wichtigsten Komödien der deutschen Sprache, ein Meisterwerk der klassischen Charakterisierungskunst. Hauptmann gelingt es mit unbeschreiblichem Humor und liebevollem Einfühlungsvermögen, die verschiedenen Figuren lebensnah zu schildern. Allen voran steht Mutter Wolffen, die „ehrbare Diebin“, die mit Herz und Verstand für ihre Familie sorgt, den Kampf des kleinen Mannes ums Überleben demonstriert. Ihr Gewissen plagt sie dabei allerdings nicht zu sehr – aber irh Fleiß und vor allem irh Berliner Mutterwitz machen dieses kleine „Manko“ wieder wett. Da ist ihr „Gegenspieler“ der Amtsvorsteher Wehrhahn. Und da sind unzählige andere Figuren wie der kleine Amtsdiener Mitteldorf, der rentier Krüger, Mutter Wolffens Mann, ihre beiden Töchter. Sicher kann man diesen einzelnen Figuren noch Relikte des Typenarsenals der Altberliner Posse der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts sehen (die Uraufführung des „Biberpelz“ war 1893 in Berlin), aber Hauptmann hat siie individualisiert – und damit für das Theater und seine Schauspieler eine Reihe von großartigen Rollen geschaffen. Für jede Charakterdarstellerin beispielsweise bedeutet die Mutter Wolffen eine Paraderolle, und die Liste ihrer berühmten Interpretinnen ließe sich von Käthe Dorsch über Theres Giehse beliebig fortsetzen. Ähnliches gilt auch für die Rolle des Wehrahahn.

Regie: Edwin Beyler