Der Wolf und die sieben Geißlein

Hat „Aschenputtel“ ausgedient? Ist „Der Wolf und die sieben Geißlein“ ein alter Hut? Lange Zeit hielt man Märchen für unzeitgemäß. Aber: Kinder brauchen Märchen. Heute wie eh und je. Die Märchen erzählende Oma im Krise ihrer Enkel, die von verwunschenen Prinzen und Prinzessinnen, von Zwergen und Riesen, von hungrigen Wölfen und gefressenen Geißlein fabuliert, erscheint uns heute fast selbst wie eine Märchengestalt, die aus der modernen Kleinfamilie verbannt wurde. Der Fernsehapparat trat an ihre Stelle. Schon die Allerkleinsten werden mit dem Allerneuesten berieselt, und das ist doch weitaus höher einzuschätzen, als Märchen, denn die, so konnte man jahrelang lesen, sind grausam und verängstigen die Kleinen. Ist es etwa nicht brutal, wenn die Knusperhexe im Backofenverbrennt oder sich das Rumpelstilzchen vor Wut in zwei Stücke reißt oder – wenn wie bei uns auf der Naturbühne in diesem Jahr – der Wolf die sieben Geißlein frisst? Trotzdem gehen Märchen immer glücklich aus. Der Bösewicht wird bestraft, den Guten winkt reicher Lohn. Aus dem Mund der Märchen hören Kinder auch, dass in Gefahr unerwartet Retter auftreten können und dass Geistesgegenwart über rohe Körperkraft triumphiert. Nichts im Märchen ist so furchterregend, als dass man es ncht überwinden könnte.

Regie: Jürgen Peter