Der Raub der Sabinerinnen

Der Schwank spielt in der Welt des Theaters und vermittelt dem normalen Kunstkonsumenten einen Blick hinter die Kulissen, der Zustände offenbart, die es nie und nimmer geben kann. Oder doch? Die uns im Stück vorgeführte Arbeitspraxis des symptomatisch für alles Schlechte verantwortlich gewordenen Theaterdirektors Emanuel Striese, ließ und lässt jedem ernsthaft Kulturschaffenden die Haare zu Berge stehen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg feierten „Die Sabinerinnen“ eine umjubelte Premiere. Das deutsche Theater hatte ein hohes Niveau. Alles war königlich. Der Staat, Reinhardts Schauspielhaus, auch der deutsche Mann und seine Haltung. Überall herrschte Zucht und Ordnung, richtete man sich nach den unumstößlichen Gesetzen der Tradition. Selbstherrliche Autorität duldete keine Diskussionen. Schüler brüllten „Achtung“, wenn der Pädagoge mit Rohrstock und Kaiserbart das Klassenzimmer betrat und jede Bewegung erstarb. So betrachtet liegt es auf der Hand, dass die im Stück gezeigten Zustände an einer Wanderbühne (heute sagt man Landestheater) nur als Persiflage verstanden werden konnten. So ein Intendant und so ein Theater als Mittelpunkt einer dramatischen Handlung, war unrealistisch und absurd. Darüber lachte man sich kaputt. So ein „Saustall“ (Originalton Süd) war unvollstellbar, gab es nicht, hatte es nicht zu geben.

Regie: Hans-Josef Becher

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