Götz von Berlichingen

Die Geschichte „Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand“, so heißt die von der Naturbühne in diesem Jahr gespielte erste Fassung, „Dramatisiert“ im Zusatz. Sie ist handschriftlich erhalten, liegt im Goethe- und Schiller-Archiv und wird heute als „Urgötz“ bezeichnet. Handschriftlich, bitte sehr! Und ohne „Pünktchen“! …Sag deinem Hauptmann: vor Ihro kayserliche Majestät habe ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag‘s ihm, kann mich im Arsch lecken! (Anno 1771) Hoppla da haben wir es also! Die Literaturhistoriker nennen so etwas sachkundig „Sturm und Drang“, und sie haben sogar Recht denn immer wenn diese spannungsgeladene Szene über die Bühne geht, drängt es die Zuschauer zu stürmischen lang anhaltenden Applaus. Ja, es gibt Leute, die so ehrlich sind, einzugestehen, dass sie diesen spontan-elementaren Zornesausbruch des Titelhelden für den dramatischen Höhe- und Mittelpunkt des ganzen Schauspiels halten. Einige gehen sogar soweit, zu behaupten, Goethe habe dieses Drama überhaupt nur des Zitates wegen verfasst.

Regie: Werner Ahlers