Jagdszenen aus Niederbayern

Martin Sperr, geboren 1944 in Steinberg/Bayern, wollte mit seinem Stück, wie er selbst sagt, nicht zeigen, was gut oder was schlecht ist in unserer Zeit, sondern was zu verändern ist oder was geändert werden muss. Sein erstes Werk, eben die Jagdszenen, wird allgemein auch als sein bestes betrachtet. Gejagt werden Menschen: die Außenseiter in unserer Gesellschaft. Da ist eine Bäuerin, die mit ihrem Knecht zusammenlebt, da ist der geistig zurückgebliebene Rovo, da ist der homosexuelle Abram, da die leichtgläubige Tonka, die ein uneheliches Kind erwartet. Genug um ein Dorf in Aufruhr zu halten und allseits für Gesprächsstoff zu sorgen. Mit Klatsch und Tratsch werden alle Gefühle und alle Bindungen zerstört. Doch die Jäger fühlen sich im Recht, schließlich sind sie alle ehrbare und brave Bürger, die ganz nach der „Moral“ leben. Sperr ist spürbar nicht nur durch Lektüre zu seinem Stück gekommen, sondern durch Beobachtung der Menschen. In manchen Dingen werden wir uns selbst erkennen, unsere Scheinmoral oder wenigstens unsere Gedankenlosigkeit mit der wir oft zu Werke gehen. Sperr zeigt ein Stück aus dem Volk, mit meisterhaft gezeichneten Charakteren, mit Gefühl und Zärtlichkeit, mit Brutalität und Mord, kurz mit allem was das Zusammenleben mit sich bringt.

Regie: Peter Wagner