Die Physiker

In einer privaten Irrenanstalt leben drei verrückt gewordene Physiker: einer hält sich für Newton, einer hält sich für Einstein und einer heißt schlicht Möbius. Als sie ihre Wärterinnen ermorden, stellt sich heraus, dass sie alle drei Simulanten sind, die ihre Wärterinnen umbringen, weil sie sich durchschaut fühlen; Möbius spielt den Irren, weil seine Entdeckungen so ungeheuerlich sind, dass sie das Ende der Menschheit bedeuten, falls sie in die Hände der Macht fallen, und die beiden anderen sind Geheimagenten. Alle drei Physiker werden zum Entschluss geführt, dass sie lieber freiwillig im Irrenhaus bleiben, als dass sie die Welt in ein Irrenhaus verwandeln. Die Irrenärztin aber hat sich längst in den Besitz der Geheimnisse gebracht – sie ist die einzige wirklich Irre. Mit dieser so einfachen wie grotesken Fabel hat Dürrenmatt eine Bühnen-Formel gefunden für eine reale Situation, die jederzeit eintreten kann. Er scheut vor der Konsequenz nicht zurück, dass das, was einmal ausgedacht worden ist, das Mittel zur Massenvernichtung, nie mehr zurückgenommen werden kann – das ist der tödliche Ernst in dieser wahrhaft aristophanischen Posse, in der wilde Komik und blankes Grauen so dicht nebeneinander liegen, dass sich der Zuschauer über sein eigenes Gelächter verwundert.

Regie: Peter Wagner