Liebe Jelena Sergejewna

Bei unserem heutigen Konsumdenken gehört Egoismus und Rücksichtslosigkeit schon zur normalen Zeiterscheinung, Dass damit auch alle Moral und alle Werte in unserer Gesellschaft verloren gehen, wird hingenommen. Genauso, wie Gewalt die Menschen nur bei extremen Formen ergreift. Wenn Glück und Erfolg nur im Materiellen zu finden ist, wird schnell eine „Null-Bock“ Stimmung erzeugt, da in der Zukunft Zuwachsraten vergangener Tage nicht mehr zu erreichen sind. Wenn ich also keine Zukunft mehr habe, warum sollte mich die Gegenwart interessieren? In dieser Stimmung kommen vier Gymnasiasten, zwei Mädchen und zwei Junge, zu ihrer Klassenleiterin, um zu deren Geburtstag zu gratulieren. Wie aber aus diesem harmlosen Besuch durch Rede und Gegenrede, durch Angeberei, durch Leichtsinn, durch Machtspiele eine Spirale der Gewalt entsteht. zeigt dieses Stück in aller Deutlichkeit. Es besticht durch die geringe, nur fünf, Personenzahl und damit straffe Handlung, in der Ablenkung kaum möglich ist. So wird von Beginn an eine Spannung aufgebaut, der man sich nie entziehen kann, in der man stets noch auf einen guten Ausgang hofft, die Hoffnung wieder verliert und dann doch wieder gewinnt. Ein Theaterstück aus unserem heutigen Leben, das aktueller und brennender nicht sein kann. Ein Theaterstück das keine Tragödie ist, nur ein Stück Zeitgeschichte.

Regie: Wolfgang Rostock

weiblich
Jelena Sergejewna Elisabeth Pohl
Ljalja Cathrin Pertz
Vera Daniela Kawan

männlich
Pascha Andreas Pohl
Volodja Lothar Hiller