Der Erbförster

„Der Erbförster“ gehörte früher zum Repertoire fast eines jeden Schauspielhauses. Die Titelfigur war ähnlich dem Meister Anton aus der Hebbelschen „Maria Magdalena“ eine „Traumrolle“ mit höchster Faszination. 1864 geschrieben, ist der „Erbförster“ eine der großen Tragödien deutschsprachiger Dichtung. Das Sujet „Erbförster“ hat, in Anlehnung an Ganghofer und Anzengruber, etwas „Anrüchiges“, scheint für Heutige nicht mehr „seriös“ genug zu sein. Trivialliteratur aller Art hat ihm das literarische Wasser abgegraben. Aber dieses Stück des thüringischen Realisten Otto Ludwig (er selbst nannte seine Dichtung poetischen Realismus) ist kein Volksstück oder eine Wald- und Wiesen-Schnulze. Es ist eine Tragödie, heute durchaus zu spielen. Die Titelfigur wird durch ihre grenzenlose Selbstüberschätzung zur tragischen Figur im antiken Sinne. Der biedermeierliche Hintergrund kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Regie: Karlheinz Komm