von Moritz Weinmann

Auf der Trebgaster Naturbühne steigt ein monumentales Spektakel

Intrigen, Rache, Mord und Totschlag: "Die Wanderhure" feiert am Freitag, 7. Juni, Premiere auf der Trebgaster Naturbühne.

Zwei erfolgreiche Premieren liegen bereits hinter den Aktiven der Naturbühne. Der Nebel um den Londoner Covent Garden hat sich verzogen. Und Pippi Langstrumpf ist von ihrem Aufenthalt im Taka-Tuka-Land wieder in ihre Villa Kunterbunt zurückgekehrt. Doch jetzt braut sich in Trebgast etwas zusammen, das selbst eingefleischte und langjährige Naturbühnenfans in dieser Form auf dem Wehlitzer Berg nur selten erlebt haben.

Eine "grauenhafte Zeit"

Am morgigen Freitag um 20.30 Uhr wird den Premierengästen in "Die Wanderhure" ein mittelalterliches Spektakel geboten, das es in dieser Ausprägung an diesem Ort noch nicht gegeben hat: Geschäftiges Treiben, Feuer auf der Bühne, Gaukler und Marktfrauen, Ritter und Söldner, Mönche, Nonnen und Huren, dazu Vergewaltigung, Verbrennung, Mord und Totschlag. "Alles steht im krassen Gegensatz zu dem, was wir uns heute unter dieser angeblich so guten, alten Zeit vorstellen. Dabei war es eigentlich, vor allem für Frauen, eine grauenhafte Zeit", stellt Vorsitzender Siegfried Küspert nüchtern fest.

Zwischendurch lenkt nicht nur authentische Musik mit Dudelsack, Schlüsselfidel, Scheitholz und Zither immer wieder etwas von dem teilweise brutalen Geschehen ab. Die Musikgruppe "Alleweyl" (Jenny und Gerhard Escher sowie Anja Wichmann) spielt oft bei mittelalterlichen Festen, schnuppert aber um ersten Mal Theaterluft. "Wir haben uns hier von der ersten Sekunde an wohl gefühlt. Es ist wie in einer großen Familie", sind alle drei begeistert.

Blökende Schafe

Aber auch zwei lautstark blökende Schafe aus Schlömen, die ab und zu mit ihren Hirten vorbeiziehen, haben das Zeug dazu, dem einen oder anderen arrivierten Schauspieler die Schau zu stehlen. Sie, also die Schafe, wurden bei ihrem "Spaziergang" spontan für diesen Job verpflichtet - samt ihren "Leittieren" Johanna Jörg und Joel Grams.

Das zahlenmäßig mit Abstand größte Ensemble, das jemals auf dieser Bühne stand, besteht aus 40 Aktiven, die nicht weniger als 60 Personen spielen. Ein Darsteller verkörpert beispielsweise drei Rollen und wird dabei einmal erstochen, einmal erschlagen und einmal verbrannt.

"Was sie durchmachen muss, ist schon heftig"

Mittendrin Sabrina Schmitt als Maria Schärer, Tochter eines wohlhabenden Konstanzer Tuchhändlers. Für sie wird es die größte Probe in ihren bisher sieben Jahren auf der Naturbühne. "Was sie in diesem Stück durchmachen muss, ist schon heftig. Manchmal dachte ich bei den Proben schon: Oh Gott, kann man das einem Nachwuchstalent eigentlich zumuten", sagt Regisseurin Anja Dechant-Sundby anerkennend. "Wenn sie das besteht, braucht sie vor künftigen Rollen keine Angst mehr haben. Dicker kann es nicht mehr kommen."

Junge Hauptdarstellerin

Die 23-jährige Sabrina Schmitt nahm diese Herausforderung an und sie steht ihren Mann. Das muss sie auch, denn das Stück ist sehr männerlastig. "Langsam kommt schon etwas Aufregung dazu", gesteht Sabrina drei Tage vor der Premiere.

"Es ist doch etwas anderes als die kleine Hexe im Vorjahr. Aber alle sind richtig super und unterstützen mich dabei. Es macht richtig Spaß", so Schmitt.

Maria Schärer wird durch gefälschte Beweise und gekaufte Zeugen geschändet, ausgepeitscht und verbannt. Als unfreiwillige Hure wird sie sich ihrer Macht bewusst, die sie mit ihrer Tätigkeit erlangen kann. Sich als Frau nach so viel Demütigung wieder hochzurappeln und an seinen Peinigern zu rächen - da gehört schon viel dazu.

Ergreifend, wie sie es am Ende schafft, ihre Ehre wieder herzustellen und in die Gesellschaft zurückzukehren. "Eine bessere Naturkulisse als diese Bühne gibt es für diese harte, mitreißende Geschichte in mittelalterlichem Ambiente nicht", schwärmt Regisseurin Anja-Dechant-Sundby.

"Es ist nicht einfach, die Geschichte, die man in einem Roman sehr ausführlich erzählen kann, innerhalb von einzelnen Szenen atmosphärisch rüberzubringen." Morgen wissen wir, ob es ihr gelungen ist."Es ist nicht einfach, die Geschichte, die man in einem Roman sehr ausführlich erzählen kann, innerhalb von einzelnen Szenen atmosphärisch rüberzubringen." Morgen wissen wir, ob es ihr gelungen ist.

 

06.06.19 Dieter Hübner

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