von Michael Bähr

„Die Räuber“ belagern ab morgen den Wehlitzer Wald

Dritte Premiere an der Naturbühne am Freitag, 1. Juni um 20.30 Uhr

Trebgast - Ja sabberlodd, da ist ja heuer wieder richtig was los am Wehlitzer Berg in Trebgast: Zuerst taucht völlig überraschend und zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Cowboy aus Texas auf und hat nichts Besseres zu tun, als den hübschen fränkischen Mädchen schöne Augen zu machen. Eine Woche später lösen sechs böse Hexen, eine hinterhältige Muhme Rumpumpel und ihre Chefin, die Oberhexe, ganz plötzlich „Hexenalarm“ aus und machen einer guten kleinen Hexe das Leben schwer. Und als ob das nicht schon genug wäre, verbreitet ab morgen eine Räuberbande Angst und Schrecken im Wehlitzer Wald und hinterlässt eine Spur von Mord- und Totschlag.

Da fragen sich die Naturbühnenverantwortlichen mit Siegfried Küspert an der Spitze langsam, ob sie noch die einzigen Vernünftigen auf dem Trebgaster Kulturhügel sind. Aber wie dem auch sei. Es ist, wie es ist: Auch sie können nicht verhindern, dass sich zwei verfeindete Brüder bis aufs Messer bekämpfen.

Wie werden sich die Zuschauer verhalten? Vielleicht erinnert sich noch jemand an 1959, als „Die Räuber“ zum ersten Mal in dem ehemaligen Steinbruch aufgeführt wurden. Damals könnte bei der Begegnung zweier Ehepaare folgender Dialog entstanden sein: „Ja, wos dun denn Sie do? Mir ham gedocht, Sie ham nix fier Kunst iebrich.“ - „No ja, vill ham mer net iebrich, ober mei Mo socht immer: Do müssmer schon nauf. Wemer a Gscheft hot, wissn sa, dann muss mer sich bei suwos seng lossn. Und a Drama in der frischn Luft is immer nuch gsünder wie des Kundschaftsaufn, gell?“

Kurz bevor es losging, könnte ein Vater zu seinem heranwachsenden Sprössling gesagt haben: „Und etzt bass auf, damitst wos lernst. Die Räuber braucht mer des ganza Lebn. Erscht amoll 9 Johr long in der Schul zum Aufsotzschreibn. Und dann, wemer selber Vodder is, damit mer seine Kinner helfn konn, wenn die aa ieber die Räuber an Aufsotz schreibn müssn…“ Der Junge, etwas später: „Du Mama, dauert des lang, bis der narrisch werd?“ Die Mutter: „Freilich, erscht ganz zum Schluss.“ Der Junge: „Und vorher bassiert nix?“ Die Mutter: „Jojo, do wern vorher nuch a Haufn umgebrocht.“ Der Junge: „Du Mama, wann werdn der erschta umgebrocht?“

Bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts waren Räuberbanden in Deutschland ja nichts Ungewöhnliches. Wie werden die Leute heute auf den Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, auf das Verhältnis von Gesetz und Freiheit, reagieren? Welchem der beiden ungleichen Söhne des Grafen Maximilian von Moor wird ihre Sympathie gelten? Werden sie eher die Motive von Franz verstehen, der seine Rachepläne damit begründet, dass er immer benachteiligt wird? Oder identifizieren sie sich mehr mit den Beweggründen seines Bruders Karl, der ein Gelübde ablegt, das irgendwann schlimme Folgen hat, das er aber bis in den Tod durchzieht?

„Man kann vielleicht auch beide verstehen, aber nicht unbedingt dafür Verständnis aufbringen. Das ist der große Unterschied“, ist Regisseurin Jasmin Sarah Zamani überzeugt. „Heute hat ein Handschlag ja nicht mehr diese Bedeutung, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen unbedingt zu seinem Wort zu stehen.“ Für sie wird es spannend sein, wie die Leute diesen aufnehmen, und was sie am Ende davon mitnehmen. Es werden viele Fragen aufgeworfen, auf die nicht immer eine Antwort gegeben werden kann. Aber Denkanstöße, die die Zuschauer mit nach Hause nehmen können und sollen.

Vielleicht folgt auf dem Heimweg auch gleich die Kritik, die vermutlich ehrlicher und treffender ausfallen wird, als bei Leuten, die sich „Die Räuber“ in einem Schauspielhaus angesehen haben: Eine Frau: „Ach Goddala, die Leit ham fei friher aa ihr Bäckla ze trong ghabt. Des sicht mer erscht on so an Stick. Beesa Menschn gibt’s, beesa. Mir ham aa an in der Verwandtschaft…“ Ein Mann: „Reschbekt! Schee wor’s, werkli schee. Und gschbielt ham die – allerhand. Bluus schod, dass der Brotworschtstond scho zuhot. Etzet hätt ich grod nuch a weng an klan Abbedid…“

Die Regisseurin spricht begeistert von ihrem Ensemble. „Alle 14 harmonieren prima miteinander. Die Jüngeren - der jüngste wird am Premierentag übrigens 16 - und die Älteren ergänzen sich bestens. Alle verkörpern schon bei den Proben die richtige Räuberdynamik. Es ist wirklich ein angenehmes Arbeiten.“ Wenn sie das komplette Stück spielen würden, würde das wahrscheinlich fünf Stunden dauern, denn das ganze Manuskript füllt 106 volle DIN A 4-Seiten, erklärt die Regisseurin, für die es ihre vierte Inszenierung an der Naturbühne ist. „Wir haben uns auf knapp zwei Stunden beschränkt.“

„Die Räuber“ ist das erste veröffentlichte Drama von Friedrich Schiller. Das Werk, das zunächst nicht als Bühnenstück, sondern als Lesedrama gedacht war, spielt in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es wurde 1781 anonym veröffentlicht und sorgte am 13. Januar 1782 bei der Uraufführung in Mannheim für nationales Aufsehen. Schiller wurde damit schlagartig berühmt.

 

31.05.2018, Dieter Hübner

Zurück