von Michael Bähr

Ein Abend, der in Erinnerung bleibt

Luther 1

Die Schauspieler der Naturbühne Trebgast wachsen im Stück "Luther - Rebell seiner Zeit" über sich hinaus. Das Bühnenbild ist vom Allerfeinsten.

Denkt man zukünftig, wenn man Wartburg hört, automatisch an den Wehlitzer Berg? Gesellt sich zu den Lutherstädten Eisenach, Eisleben und Wittenberg die Lutherstätte "Naturbühne Trebgast"? Zu diesen utopisch anmutenden Fragestellungen kann man aktuell sicher keine Antwort geben, der Anfang jedenfalls wurde gemacht am Freitagabend mit der Welturaufführung des Stücks "Luther - Rebell seiner Zeit" anlässlich des Jubiläumsjahrs der Reformation vor voll besetzten Rängen. Die beiden Regisseure Marion Beyer und Hermann J. Vief aus Coburg haben das Historiendrama schließlich extra für die Naturbühne geschrieben. Gerd Kammerer aus Mainleus glänzte dabei in der Hauptrolle des Martin Luther.

Der Abend wird den Besuchern und den Schauspielern gleichermaßen in Erinnerung bleiben. Zum einen betrat die Naturbühne mit dem Stück sehr erfolgreich Neuland in ihrer bisher so ruhmreichen Theatergeschichte, zum anderen sorgte ein Dauerregen für eine unbehagliche Atmosphäre, unter der insbesondere die schon bald klatschnassen Akteure auf der Bühne litten. Sie passte aber dennoch zu der gesamten Thematik, zog doch das Auftreten Martin Luthers auf der Weltbühne seinerzeit ungemütliche, üble Konsequenzen nach sich.

Nun, zumindest an den Anfang des Stücks hätte der Aufruhr der Elemente gepasst, beginnt die Aufführung doch damit, dass Martin Luther in seiner Zeit als junger Jurastudent im Jahr 1505 in ein schlimmes Gewitter gerät, in dessen Verlauf ein Blitz unmittelbar hinter ihm in einen Baum einschlägt. "Herr, lass mich diesen Sturm überleben. Ich verspreche, dir zu dienen. Ich gelobe, ich werde Mönch", beteuert er. Solche oftmals leicht dahingesagte Versprechen sind genauso schnell wieder vergessen, wenn sie nicht gerade von einem Martin Luther abgegeben wurden. Der fühlt sich seinem Gelöbnis verbunden, nimmt damit sogar die Empörung, die Verstimmung seines Vaters Hans (Siegfried Küspert) in Kauf. Der hält das Ganze, das Jurastudium aufzugeben, um dafür ins Kloster zu gehen, für einen schlechten Scherz, wirft seinem Filius vor, die Familie zum Gespött der Nachbarn zu machen. "Du Narr willst alles opfern, um ein Kuttenträger zu werden", blafft er ihn an. Letztlich kann er Martin aber nicht von seinem selbstgewählten Weg abhalten, ins Eremitenkloster der Augustiner einzutreten. Dort befallen den jungen Mann immer wieder Zweifel, zu schwach zu sein, vor Gott nicht bestehen zu können, seinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, quälen ihn in seinen Träumen die Vorwürfe seines Vaters. Die Bibel hilft ihm, gibt ihm Antworten auf seine Fragen. In beeindruckender Weise spielt Gerd Kammerer hier den von Selbstzweifeln geplagten Luther mit seiner inneren Zerrissenheit. Sein Mentor Johann von Staupitz, in ökumenischer Verbundenheit trefflich von Pfarrer Wolfgang Oertel aus Untersteinach verkörpert, schickt ihn zum Theologiestudium nach Wittenberg.

Vor allem der Ablass, mit dem die Menschen sich angeblich vor dem Fegefeuer retten können, regt Luther auf, macht ihn wütend. Überzeugend tritt Walter Richter als abgefeimter, ausgefuchst-verschlagener Johann Tetzel auf, der den armen Leuten das Paradies verspricht und den Gutgläubigen skrupellos das wenige Geld, das sie besitzen, aus den Taschen zieht. Geschlossen geht Luther dagegen an, veröffentlicht schließlich in Wittenberg seine 95 Thesen. Nachdem er sich vor Kardinal Cajetan (Siegfried Küspert) weigert, zu widerrufen, wird er vom Papst exkommuniziert und in einer vorgetäuschten Entführung auf die Wartburg in Sicherheit gebracht. Dort übersetzt er zunächst das Neue Testament. Dessen Veröffentlichung führt zu den Aufständen der Bauern, weil diese sich weigern, weiterhin die hohen Abgaben zu zahlen, und zu zahlreichen Toten.

In "Luther - Rebell seiner Zeit" präsentiert sich die Naturbühne wie selten in ihrer gesamten geschlossenen Einheit. Es stehen nicht nur weit über 30 Akteure - teils in mehreren Rollen - auf der Bühne, auch die Leute hinter den Kulissen sind in besonderer Weise gefordert. Einer besonderen Note kommt die Musik zu. Die ausgewählten, eingespielten Kompositionen sind dabei sehr stimmig, zudem hat Kreischorleiter Heiner Beyer mit sieben Frauen und Männern vom Gesangverein 1864 Untersteinach gregorianische Gesänge einstudiert, die diese als Mönchschor auf der Bühne wiedergeben, was der Aufführung einen Hauch des Geheimnisvollen verleiht.

Ein Kunstwerk ist Dieter Krause mit der Fertigung eines zentralen Bauwerks gelungen, dass relativ leicht verwandelt werden kann und das die Schauspieler durch wenige Handgriffe umgestalten. So stellt es einerseits die imposanten Kirchen in Erfurt, Wittenberg und Worms dar, andererseits ein Wirtshaus, eine Schmiede und das Atelier des Malers Lucas Cranach. Die Bühnenmaler Andreas Bähr und Myriam Dostal zeichneten unter der Regie von Andre Putzmann für die Ausgestaltung des Bühnenbilds verantwortlich. Nach historischen Vorlagen fertigte Sigrid Seehuber diverse Gewänder neu, für die Maske waren Gudrun Würl und Susanne Bähr zuständig. Eine wichtige Rolle übten in dem Stück die Techniker Martin Haberzettl, Stefan Laaber, Lennert Schütz und Natalja Miller aus, die für die Einspielung von Blitz und Donner, für die Beleuchtung, Nebelschwaden und Musik zuständig waren.

Mit frenetischem Applaus belohnten die Besucher zum Schluss die rundum gelungene Aufführung mit einer reinen Spielzeit von gut zweieinhalb Stunden. Bei der anschließenden Premierenfeier war Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner, zugleich Schirmherrin, zutiefst vom dem "wirklich grandiosen" Stück beeindruckt. Sie bewunderte den Mut der Verantwortlichen, so ein höchst religiöses Thema anzugehen. "Ich habe Gestalt gewordene Theologie auf der Bühne erlebt", schwärmte sie.

Premierenkritik von Rainer Unger am 22. Mai 2017 in der Frankenpost.

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