von Moritz Weinmann

Ein Drama - perfekt inszeniert

Das Ensemble der Naturbühne Trebgast glänzt in Schillers Stück "Die Räuber". Die Inszenierung ist einfach fesselnd.

Räuber Szenenbild

Trebgast - Horst Thor spielt bereits seit 42 Jahren auf der Naturbühne Trebgast mit, setzt heuer aber aus. Und obwohl "die Klassiker" an sich nicht so sein Fall sind, ist er von der Aufführung von Schillers Drama "Die Räuber" restlos beeindruckt. Unter der Regie von Jasmin Sarah Zamani bringt das Amateur-Ensemble tatsächlich minutiös ausgetaktet und in vielen Nuancen durchinszeniert Schillers Erstlingswerk auf die wild-romantische Bühne am Wehlitzer Berg. Dem Stück fehlt es weder an Intensität noch an Dramatik.

Der fränkische Graf Maximilian Moor (schwächelnd und leidend intensiv dargestellt von Werner Eberhardt) hat zwei Söhne, die sich im Charakter widerstreben. Karl, der ältere, ein Jüngling voller Talente und Edelmut, gerät in Leipzig in einen Zirkel liederlicher Brüder, stürzt in Exzesse und Schulden, muss zuletzt mit einem Trupp seiner Spießgesellen (Reinhardt Frank, Mathias Ebert, Walter Lattner, Ralf Butzmann, Christian Doser, Florian Potzel, Thorsten Neukam und Tobias Seuß) fliehen.

Sein jüngerer Bruder Franz lebt noch beim Vater. Er ist ein heimtückischer und intriganter Charakter und versucht, seinen Bruder beim Vater in Verruf zu bringen, seine Braut Amalia (Melanie Eheim) für sich zu gewinnen und setzt den Vater schließlich fest, um selbst an die gräfliche Macht zu gelangen, die eigentlich seinem älteren Bruder zusteht. Mit einem gefälschten Brief sorgt Franz dafür, dass sein Bruder enterbt wird. Der zutiefst verletzte und seines rechtmäßigen Erbes beraubte Karl wird Hauptmann einer Räuberbande.

Die widerstrebenden Aktivitäten beider Brüder setzen eine Kette von Katastrophen in Gang, die schließlich im Tod des Vaters münden, im Selbstmord von Franz und der Ermordung Amalias durch Karl, der sich anschließend der Justiz und somit seiner Hinrichtung ausliefert.

Beide Brüder werden am Wehlitzer Berg fesselnd intensiv dargestellt: Martin Besold mimt den Karl als Getriebenen und Leidenschaftlichen, dann wieder Zweifelnden und Verzweifelten. Benedikt Lehmann ist der aalglatte und intrigante Franz in einer fast schon mephistophelesschen Extase.

„Beide Söhne wählen extreme, am Ende verabscheuungswürdige Mittel, um sich von den familiären Fesseln der Elterngeneration und von den politischen Schranken des "Kastratenzeitalters" zu befreien. Während Karl im Sinn des aufsteigenden Zeitalters der Republik zwar ein Befreier sein möchte, nutzt er dazu aber zwielichtige Mittel. Franz dagegen ist im Sinn der alten Gesellschaftsordnung ein Tyrann, der sich selbst über alle Natur erhebt, den Rest der Menschheit aber als "Morast" und durch "Pfaffengewäsch" (Pater: Heidi Suttner) vertröstet sieht.

Drei Tote gibt es auf offener Bühne. Der alte Maximilian Moor siecht lange Zeit einfach so dahin. Amalie wird mit einem Messer ermordet. Der Räuber Spiegelberg (Reinhardt Frank) wird erschossen, nachdem er sich zum Judas wandeln wollte, stirbt zwei Minuten lang und bleibt schließlich höchst unkomfortabel auf den Treppen bis zum Ende des Stücks dort wirklich regungslos liegen. Und Franz Moor plumpst urplötzlich als erhängter Dummy vom Dach des Zuschauerraums.

Ebenso die optische Charakterisierung der Schauspieler (Kostüme Wolfram Müller-Broeder und Sigrid Seehuber, Maske Melanie Eheim). Die "Herrschaft" ist gräulich-verstaubt bis bin zur silber-lackierten Glatze des aalglatten und herrschaftssüchtigen Franz Moor. Die wie Räuber agierenden verunglückten Freiheitskämpfer sind düster schwarz, versehen mit Accessoires, die der Gothic- und SM-Szene entfernt entlehnt sind. Ganz düster und böse wie der leibhaftige Dark Rider aus "Star Wars" tritt in einem kurzen Monolog der Bote (Ralf Butzmann) auf, der die falsche Nachricht vom Tod des Karl Moor verkündet. Schillers "Die Räuber" sind auf der Naturbühne Trebgast ein exzellent dargestelltes Drama, das zudem nicht mit optischen Einfällen geizt.

 

Premierenkritik von Klaus Klaschka am 03. Juni 2018 in der Bayerischen Rundschau.

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