von Moritz Weinmann

Hexen-Alarm auf der Naturbühne

Die Trebgaster feiern am kommenden Freitag die zweite Premiere der Saison. Dann wird "Die kleine Hexe" ihr Unwesen am Wehlitzer Berg treiben..

Der Auftakt ist geglückt: Mit dem Volksstücks "Widder Dahaam" ist die Naturbühne Trebgast erfolgreich in die neue Saison gestartet. In den nächsten Wochen geht es mit weiteren drei Premieren Schlag auf Schlag. Vermutlich wird es jetzt erst einmal etwas turbulenter im Wehlitzer Wald, denn am morgigen Freitag, 25. Mai, ist rund um den Trebgaster Kulturhügel Hexen-Alarm. Dann wird "Die kleine Hexe", schon lange ein Liebling nicht nur vieler Kinder, sondern auch vieler Erwachsener, bis August regelmäßig über die Naturbühne toben.

Und dabei werden die Oberhexe, eine Windhexe, eine Kräuterhexe, eine Knusperhexe, eine Moorhexe, eine Waldhexe, eine Staubhexe, und eine hinterhältige Wetterhexe versuchen, ihr das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Rainer Streng, bisher hauptsächlich für das Volksstück, aber auch bereits für den Klassiker zuständig, inszeniert im sechsten Jahr seiner Regietätigkeit in Trebgast zum ersten Mal das Kinderstück. Aber für ihn ist das kein Neuland, denn mit Kinder- und Jugendtheater hat er in Forchheim jahrelang Erfahrungen gesammelt. "Gerade die Naturbühne eignet sich hervorragend für dieses Stück. Hier braucht man nicht viel zu verändern und kommt mit relativ wenigen Kulissen aus. Ein Hexenhaus, ein etwas mystischer Kult- und Versammlungsplatz nach dem Vorbild von Stonehenge, einige kleine Ergänzungen - das reicht für den Hexentanz und die Walpurgisnacht", sagt Streng. Seine Grundidee: Ein Bühnenbau so einfach wie möglich, ohne großen Firlefanz. Jede Szene soll für sich wirken. Ganz einfache Mittel können die Fantasie der Kinder viel mehr anregen. Die Inszenierung an der Naturbühne Trebgast möchte die Kinder mitnehmen in eine fantastische Welt. Für eineinhalb Stunden sind andere Fähigkeiten bestimmend als die, die sonst in unserer geordneten Gegenwart gelten.

Langweilig wurde dem Regisseur während der Proben sowieso nicht. Denn: Eine Philosophie des Naturbühnen-Vorsitzenden ist es, dass in Trebgast in aller Regel Kinder auch von Kindern gespielt werden. Und darauf ist er stolz: "Wir wollen die Kinder, die sich für das Theaterspielen interessieren, dabei haben, damit sie von klein auf hineinwachsen und eine Verbindung zur Bühne bekommen", erklärt Siegfried Küspert dazu. Für den Regisseur bedeutet das bei einem Ensemble von 30 Akteuren eine etwas umfangreichere Arbeit und Planung, auch wenn die Kids alle ganz bei der Sache sind, wie er betont. "Sie brauchen eben eine ganz andere Betreuung, arbeiten anders als Erwachsene, und sind halt nicht ganz so lange konzentrationsfähig."

"Die kleine Hexe" ist ein 1957 erschienener zeitloser Klassiker der Kinderliteratur und Weltbestseller von Otfried Preußler (1923-2013), der in 47 Sprachen übersetzt wurde, und zu den meistgespielten Stücken des Kindertheaters gehört. Preußler will sein Publikum unterhalten, zum Lachen bringen, es in eine andere Welt entführen. Den Vorwurf, man könne Kindern in der heutigen Zeit keine Geschichten mehr von Hexen, Geistern, Feen und Zauberern erzählen, weil sie keinen Bezug zur Realität hätten, wies der Autor stets zurück. Er hielt die Fähigkeit zu phantasieren, zu träumen, immer für besonders wichtig.

Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich nicht immer von den Großen sagen lässt, was es zu tun und zu lassen hat. Das ihren eigenen Kopf hat, und mit Durchsetzungswillen und ein paar Tricks ihr Ziel erreicht. Mit ihren Zauberkünsten hilft sie immer wieder guten Menschen, die sich in einer üblen Lage befinden. Unterstützung und kluge Ratschläge bekommt sie dabei von ihrem besten Freund, dem sprechenden Raben Abraxas. Aber kann er der kleinen Hexe auch bei ihrem großen Problem helfen? Sie will unbedingt mit den anderen Hexen auf dem Blocksberg in die Walpurgisnacht tanzen. Doch sie ist erst 127 Jahre alt und damit viel zu jung dafür. Deshalb schleicht sie sich heimlich auf das wichtigste aller Hexenfeste. Ob das gut geht?

24.05.2018, Dieter Hübner

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