von Moritz Weinmann

In Trebgast ist eine Saison der Superlative zu Ende gegangen

Knapp 35.000 Zuschauer sahen auf der Naturbühne Trebgast die vier Stücke der Saison 2017. "Luther" und "Peter Pan" waren die Glanzpunkte.

Eindrucksvoller als mit dem Schlusssatz der Schirmherrin des in diesem Jahr alles beherrschenden Luther-Stücks hätte die Saison 2017 auf der Naturbühne nicht enden können. "Meine Schirmherrschaft geht zu Ende, aber Sie haben eine Freundin auf Dauer gewonnen."

"Gestalt gewordene Theologie erlebt"

Regionalbischöfin Dorothea Greiner "Gestalt gewordene Theologie erlebt"

Regionalbischöfin Dorothea Greiner hatte wegen der Abschlussfeier auf dem Wehlitzer Berg extra einen privaten Termin verschoben, um der fast vollständig anwesenden Theaterfamilie ihre Anerkennung und Bewunderung auszudrücken. "Diese Saison war so großartig und für mich etwas ganz Besonderes, auch um Sie alle besser kennenzulernen."

Bereits bei der Premierenfeier am 19. Mai hatte sie mit dem Satz "Ich habe heute Gestalt gewordene Theologie auf der Bühne erlebt" erkennen lassen, dass sie diese Schirmherrschaft gerne übernommen und das Stück vollinhaltlich und von ganzem Herzen mitgetragen hat. Sie sprach die Hoffnung aus, dass sich die Naturbühne gelegentlich wieder einmal traut, ein theologisches Stück auf die Bühne zu bringen.

Landrat: "Ein grandioses Jahr"

Landrat Klaus Peter Söllner "Dieses grandiose Jahr wird in die Annalen des Vereins eingehen"

"Ihr könnt stolz auf das sein, was ihr erreicht habt. 2017 wird als eine beeindruckende Spielzeit, als grandioses Jahr in die Annalen des Vereins eingehen", war der Protektor der Bühne, Landrat Klaus Peter Söllner, überzeugt. "Was ihr geleistet habt, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ihr habt mit Nachdruck bewiesen, dass ihr das kulturelle Aushängeschild des Landkreises Kulmbach seid."

Dann schob er er noch einen Scherz nach: "Einerseits ist es gut, dass die Saison jetzt zu Ende ist. Wenn der Gerd Kammerer noch dreimal den Luther gespielt hätte, wäre ich vielleicht noch konvertiert. Und das hätten mir dann meine Staanicher nicht verziehen."

140 Akteure auf der Bühne

Zuvor hatte der Vorsitzende der Naturbühne, Siegfried Küspert, sein traditionelles Fazit der abgelaufenen Saison mit einem Satz auf den Punkt gebracht: "Die Spielzeit 2017 war eine Saison der Superlative von bisher nicht gekanntem Ausmaß." Dafür zollte er 140 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen seinen Respekt und stattete den Mitwirkenden seinen besonderen Dank ab: "Mit eurem überragenden Schauspiel unter der Leitung von tollen Regisseuren habt ihr 34.954 begeisterten Besuchern einen erlebnisreichen, unvergesslichen und wunderschönen Kunstgenuss auf Deutschlands schönster Amateurnaturbühne hier in Trebgast beschert."

Dazu gehört laut Vorsitzendem auch der herausragende Einsatz bei der Technik, im Kostümbereich, in der Maske, im Gästedienst, an der Kasse, beim Kulissenbau, ihrer Bemalung und ihrem Auf- und Abbau, der Requisite, der Pflege und Sauberkeit unserer gesamten Anlage, beim Internetauftritt, der Pressearbeit und Werbung, der Auswahl und Organisation der Gastspiele, als Abendspielleiter, bei der Erstellung des Spiel- und Probenplanes, in der Vorstands- und Verwaltungsratsarbeit und in der Gastronomie. "Diese Aufzählung ist willkürlich gewählt und stellt keine Wertung dar", betonte Küspert ausdrücklich.

Die Vier-Stücke-Philosophie

In der Tat ist eine Resonanz von 34.954 Zuschauern und Besuchern für ein Amateurtheater, das ausschließlich im Ehrenamt geführt und betrieben wird, eine Meisterleistung. Es bedeutet schließlich eine Auslastung der Bühne von 82 Prozent, und bestärkt die Verantwortlichen darin, dass die Stückeauswahl gelungen war, und sie mit ihrer Vier-Stücke-Philosophie richtig liegen. Zwar sei man mit dem Vorhaben, sich im Jubiläumsjahr mit der Reformation und Luther zu beschäftigen, ein gewisses Risiko eingegangen. Aber dieses Wagnis hat sich für gelohnt und die Qualität des Stückes und der Darsteller und die sich daraus ergebende Zuschauerresonanz sind unter dem Begriff Superlativ gut aufgehoben.

Siegfried Küspert bedankte sich dafür explizit bei Regionalbischöfin Dorothea Greiner: "Sie waren eine tolle Schirmherrin. Dass Sie mit ihrem umwerfenden Charme so für dieses Stück geworben haben, ist mit ein Grund dafür, dass es so erfolgreich ablief." Ein weiteres Highlight sei dabei die Kulisse gewesen. "Bühnenbauten dieser Art kannten wir vorher nur aus dem Fernsehen", bekannte selbst der Vorsitzende.

Vorsitzender Küspert lobt den Teamgeist

Sigfried Küspert überreichte Gerd Kammerer eine "Lutherrose"

In einer so langen Saison bleibt es natürlich nicht aus, dass es durch Krankheit oder Unfall, berufsbedingt oder aus Gründen die hier nicht genannt werden müssen, manchmal zu personellen Ausfällen kommt. Da es ja keine Zweitbesetzungen gibt, dankte Siegfried Küspert allen Ensemblemitgliedern, die für diese verhinderten Kolleginnen und Kollegen eingesprungen sind, in sehr kurzen Zeitabständen deren Rolle - teilweise neben ihrem eigenen Text- gelernt und gespielt haben, ohne dass es das Publikum gemerkt hat. "Das ist vorbildlicher Teamgeist, der hier an unserer Bühne beispielhaft praktiziert wird."

Zwei Spieler erwähnte Küspert namentlich und dankte ihnen stellvertretend für alle. Gerd Kammerer habe nicht nur dem Luther ein Gesicht gegeben und Peter Pan zur Seite gestanden, sondern den gesamten Gastspielbetrieb organisiert und durchgeführt. Küspert überreichte ihm eine "Lutherrose", angefertigt vom Trebgaster Glaskünstler Bernt Pingel, der selbst zum Ensemble zählt. "Möge sie Dich immer an diese Rolle erinnern, die Du so vortrefflich verkörpert hast."

Bergwacht schulte "Peter Pan"

Alexander Böhm alias "Peter Pan" hatte es auf sich genommen, mit Hilfe der Kulmbacher Bergwacht zirkusreif durch den Zuschauerraum zu fliegen. "Was wäre unser Peter Pan in den Augen der Kinder wert gewesen, wenn er nicht geflogen wäre. Er ist es und das muss uns erst einmal einer nachmachen", dankte ihm Küspert.

Zum Schluss dankte der Vorsitzende den Partnern der Schauspieler. Stellvertretend für alle überreichte er an Gisela Krause, der Ehefrau, die ihren Mann seit Jahrzehnten entbehren muss , einen Blumengruß. Danach verabschiedete Siegfried Küspert die Naturbühnenfamilie in den verdienten Urlaub. Bis zu der Zeit, wenn es wieder heißt: Der Wehlitzer Berg ruft.

Die Saison 2018

Die Stücke Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Die Stückeauswahl für die nächste Saison an der Naturbühne Trebgast ist bereits abgeschlossen. Gespielt werden das Volksstück "Widder dahaam" (Regie Isabella Leicht, Premiere 18. Mai), das Kinderstück "Die kleine Hexe" (Regie Rainer Streng, Premiere 25. Mai), der Klassiker "Die Räuber" (Regie Jasmin Zamani, Premiere 1. Juni) und als besonderes Stück "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (Regie Raik Knorscheidt, Premiere 8. Juni)

Die Karten Der Vorverkauf für die Saison 2018 beginnt am 1. Oktober 2017.

18.08.2017, Dieter Hübner

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