von Michael Bähr

Naturbühne Trebgast: Eine zauberhafte kleine Hexe

Hexen Szenenbild

In einer spritzigen und vielgestaltigen Inszenierung bringt die Naturbühne Trebgast das Kinderstück von Otfried Preußler an den Wehlitzer Berg.

Das Schauspiel-Virus hat in Trebgast auch die Kinder angesteckt. In der Wiederinszenierung von Otfried Preußlers "Die kleine Hexe" bieten sie großes Theater - ohne Stocken und Leiern. Eine professionelle Leistung durch ein 30-köpfiges Ensemble in einer Kulisse, die passt wie die Faust aufs Auge beziehungsweise die Hexen in den Wald.

Hexen waren eigentlich weise Frauen, die Fähigkeiten hatten, die der feudalen Obrigkeit zuwider waren. Hexen mussten deshalb abgrundtief böse sein. So ist es auch mit Märchenhexen.

Bei Otfried Preußler gibt es eine ganze Reihe böser Hexen. Und es gibt die "kleine Hexe", mit der sich die Kinder identifizieren, weil diese, wie die Kinder selbst, noch lernt, gerne etwas Lustiges macht - und das ohne böse Absicht. Ganz im Gegenteil. Dass Preußlers kleine Hexe am Ende die bösen Hexen entmachtet, ist der pädagogische Fingerzeig des ehemaligen Lehrers Preußler. Im Sinn der Reformpädagogik "erzieht" er dabei nicht mit verbalen Belehrungen und Verboten, sondern zeigt einfach, was gut und böse ist.

Hexe Szenenbild

Diesen Hintergrund haben die Kostümbildner Wolfram Müller-Broeder und Sigrid Seehuber exzellent optisch umgesetzt: So trägt die Oberhexe (Marion Regnet) ein feudales Rokoko-Kleid mit breiten Hüften und als "Establishment" darüber einen Frack. Allein sie hat das Sagen.

Und entsprechend ihrer Macht über die verschiedenen Elemente sind die anderen Hexen (Diana Bettge-Luthardt, Gabi Bähr, Verena Küspert, Sophia Weinmann, Sonja Meister-Raab) gewandet. Sie bewegen sich auch (Regie Rainer Streng) entsprechend: die Staubhexe (Anna Plewe) zum Beispiel im unscheinbar grauen Putzfrauengewand kehrt beständig. Auch beim alljährlichen Hexentanz in der Nacht zum 1.Mai auf dem Blocksberg, zu dem die kleine Hexe (Sabrina Schmitt) noch nicht zugelassen wird. Sie ist mit ihren 123 Jahren noch viel zu jung und hat das Hexenbuch noch nicht vollständig studiert. Sie ist eine Art Pippi Langstrumpf mit geringelten Strümpfen und einem Patchworkrock.

Stimme durch Mark und Bein

Widder Dahaam Szenenbild

Schillernd gewandet wie ihr Charakter selbst ist die Muhme Rumpumpel. Die stellt Georgia Lauterbach nicht nur ekelhaft-bösartig dar, sondern fast schon kabarettistisch. Ihr Hexengekrächze geht einem durch Mark und Bein. Und immer wieder schleicht sie am Rand der Bühne umher, um die Kleine Hexe auszuspionieren. Die muss sich nämlich binnen eines Jahres als richtige Hexe beweisen, um endlich auch auf dem Blocksberg mittanzen zu dürfen. Nur: Die Ansichten gehen auseinander, was eine richtige Hexe ist. Sie muss böse und missgünstig wie sie selber sein, meinen die Alten. Aber die kleine Hexe ist ganz anders.

Sie erhält dabei Unterstützung durch ihren treuen Begleiter und Ratgeber Rabe Abraxas (dargestellt von Peter Molnar). Sie hat Mitleid mit den armen Leuten und hext ihnen Holz, den Förster (Georg Küfner) sogar zur Amtsperson, die dieses erlaubt. Und den Ochsen rettet sie vor dem Bratspieß beim Schützenfest, beim dem Naturbühnen-Vorsitzender Siegfried Küspert wieder einmal kurz in seine einst reale Rolle als Bürgermeister schlüpfen kann. Auch dort spioniert sie die Muhme aus, die sich beim Fest als Reporterin der Bayerischen RundschauGenießen Sie Lesefreude eingeschlichen hat.

Doch alle Taten der kleinen Hexe waren den alten Hexen natürlich nicht recht. Beim nächsten Hexentreffen besteht die kleine Hexe zwar alle Prüfungen. Doch die missgünstige Muhme denunziert sie. Wie die (gute) kleine Hexe die (bösen) alten Hexen schließlich entmachtet, ist auf der Naturbühne Trebgast zu erleben. In einer spritzigen und vielgestaltigen Inszenierung.

 

Premierenkritik von Klaus Klaschka am 28. Mai 2018 in der Bayerischen Rundschau.

Zurück