von Michael Bähr

Peter Pan in „Neverland“ – Traum oder Wirklichkeit?

3. Premiere der Naturbühne ist so aktuell wie vor über 100 Jahren

Schlammschlacht
Wendy (Sabrina Schmitt) will mit Peter Pan (Alexander Böhm) nach „Neverland“

Nach Luther, dem Rebell, und viel Schlamm um einen gewieften Bürgermeister, übernimmt am morgigen Freitag, um 20.30 Uhr „Peter Pan“, der Junge, der nicht erwachsen werden will, mit der dritten Premiere der Naturbühne Trebgast das Kommando auf Deutschlands schönster Amateurtheaterbühne.

Peter Pan, die bekannteste literarische Figur des schottischen Schriftstellers und Dramatikers James Matthew Barrie, ist der tollkühnste Abenteurer der Kinderliteratur: Seit der Uraufführung am 27. Dezember 1904 in London eroberte er als Held aller Kindsköpfe in zahlreichen Bearbeitungen, Vertonungen und Verfilmungen weltweit die Herzen von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen.

Peter Pan fliegt mit dem Mädchen Wendy und ihren beiden Brüder John und Michael zu der Abenteuerinsel „Neverland“. In dieser Traumwelt leben neben dem Stamm der Schwarzfuß-Indianer und dem süßen Indianermädchen „Tiger Lily“ viele weitere fabelhafte Wesen. Doch die anfängliche Lebensfreude und Unbeschwertheit wird durch die Piraten um den schrecklichen Piratenkapitän Hook bedroht, die dort ihr Unwesen treiben. Ein idealer Ort also, um die wildesten Abenteuer zu bestehen.

Raik Knorrscheid
Raik Knorscheidt führt zum ersten Mal Regie in Trebgast.

Raik Knorscheidt aus Düsseldorf inszeniert zum ersten Mal in Trebgast aktiv. Er ist seit elf Jahren freischaffender Regisseur und hat auf verschiedenen Freilichtbühnen Erfahrungen gesammelt. Raik hat eines der magischsten Werke der Weltliteratur in eine behutsam modernisierte Sprache übertragen, für die Naturbühne neu bearbeitet, und damit die Voraussetzung für neue Begegnungen und Auseinandersetzungen mit der Figur Peter Pan geschaffen. Anhand von Fotos aus dem Internet hat er zuhause die Naturbühne nachgebaut und sein Konzept auf dieses Modell übertragen. „Die Bühne ist durch die vielfältigen Auf- und Abgänge hervorragend für das Stück geeignet“, ist der Regisseur vom Umfeld, und auch von der tollen Akustik, begeistert.

Peter Pan
Peter Pan (Alexander Böhm), Wendy (Sabrina Schmitt) und Fee Tinker Bell (Franziska Bordfeldt).

Wenn man ihn bei den Proben mit den 23 Darstellern beobachtet, scheint ihn nichts aus der Ruhe bringen zu können. „Die größte Herausforderung war für mich der Probenplan. Die Kinder haben heute mehr Termine als Manager“, hat er dabei nicht zum ersten Mal erfahren. „In der Großstadt ist das noch um einiges schlimmer.“ Er frage sich manchmal, wann die Kinder noch Zeit haben wollen, Kinder zu sein. Raik ist überzeugt: „Dieser Leistungsdruck, und der Wunsch, sich dem zu entziehen, spiegelt sich gewissermaßen auch in "Peter Pan" wider.“ Das sei auch ein Grund, warum sich Kinder "wegträumen".

Unter den 14 Kindern sind viele „Neue“ dabei. „Sie sind alle sehr gut aufgenommen und integriert worden“, freut sich Raik. „Sie spielen ohne Berührungsängste mit den ‚alten Hasen‘. Man merkt nicht, dass sie zum ersten Mal auf der Bühne stehen.

Neben Kulissenbau und –malerei lobt der Regisseur vor allem die Technik, die alles möglich gemacht habe, was er sich vorgestellt hat. „Lichttechnik ist ja nicht ‚Licht an, Licht aus‘, sondern eine ganz komplizierte Sache“, weiß er aus Erfahrung. Ein Großteil der Scheinwerfer wird zwar für die vier eigenen Produktionen nicht verstellt. „Aber ich habe noch elf weitere, die programmiert werden müssen. Dazu kommen die Soundeffekte, Nebelmaschinen und Pyrotechnik. Das ist schon kompliziert.“

Peter Pan
Wendy (Sabrina Schmitt) ist mit Peter Pan (Alexander Böhm, von rechts) bei den verlorenen Kindern auf „Neverland“ angekommen.

Auch wenn sich Themen wie „Indianer“ und „Piraten“ einer bestimmten Epoche zuordnen lassen, ist Peter Pan nach mehr als 100 Jahren so aktuell wie im Jahr der Uraufführung. Ein relativ zeitloser Roman, der Kinder aus aller Welt miteinander vereint. „Neverland“ kann als Metapher für ewige Kindheit und Jugend, Unsterblichkeit, aber auch für Kindlichkeit, Kindisch sein und der Flucht aus und vor der Realität gesehen werden. Ein üppiges Stück Theater, gleichermaßen für Kinder und Erwachsene, das die Phantasie aufruft, die Vitalität und Poesie dieser Reise in ein Traumland immer wieder neu zu entdecken. Die Inszenierung hat alles, was gelungene Unterhaltung für die ganze Familie braucht.

Bleiben für die jüngeren Besucher vielleicht noch zwei Fragen offen: Verspüren die Darling-Kinder vielleicht irgendwann Heimweh? Und: Fliegt er, oder fliegt er nicht? Gemeint ist natürlich Peter Pan. Die Antworten darauf wird der Premierenabend geben.

 

Dieter Hübner am 08. Juni 2017 in der Bayerischen Rundschau.

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