von Michael Bähr

Premiere mit Witz und Spielfreude

Widder Dahaam Szenenbild

Bei der Premiere von "Widder Dahaam" zeigten die Schauspieler der Naturbühne Trebgast vielfältige Qualitäten. So macht Volkstheater dem Publikum Freude.

Volkstheater ist ganz schnell erzählt: Es geht um einen Bauernhof, der eine Nachfolge braucht; eine Großfamilie, in der die Rollen festgelegt sind; um Kuppelei zum Wohl des Hofes und um Liebe, die damit nicht zusammenpasst. Und am Ende kriegen sie sich doch, die sich wirklich lieben, und alles löst sich in Wohlgefallen auf.

Das erste Stück der diesjährigen Saison auf der Naturbühne Trebgast, "Widder Dahaam", ist solches Volkstheater, das die üblichen Klischees bedient - aber auch wieder nicht, denn die Lösung der Turbulenzen ist der realen gegenwärtigen Welt viel näher als im Klischee.

Das mag an der Autorin Isabella Leicht liegen, die in Trebgast selbst Regie führte. Und an ihrer Biografie, laut der sie zwar herkömmlich Akkordeon spielt, aber auch Jazz-Tanz pflegt. Das schlägt sich auch im Stück nieder, in dem sie die Schauspieler zu Höchstleistungen animiert.

Die Inszenierung besticht in erster Linie durch viele unerwartete und kleine szenische Einfälle, die die Schauspieler mit Hingabe umsetzen. Allen voran Sonja Beyer, die die Freundin "Hermine" des Großvaters mit Charme, auch mal mädchenhaft umschmeichelt, dann wieder dezent lasziv und mal um 50 Jahre jünger geworden darstellt.

 

Widder Dahaam Szenenbild

Die Szene im (Kauernburger) "Schlössla" bei der Ü-30-Party ist unübertroffen, aber auch Szenen, in denen ihr die kleinen und großen Komplimente des Großvaters (Karl Walter Richter) eiskalt den Rücken hinunter rieseln.

Überhaupt geben die beiden "Alten" ein glänzendes Paar ab. Wenn Opa Alois den imaginären weil schon gestorbenen Hund "Waldi" immer noch an der Leine ausführt und demonstrativ vor der ganzen Familie füttert - nicht weil er altersdement, sondern weil er altersschlau ist - und sich mit der Hundeshow Freiräume schafft, dann ist der Zuschauer doppelt überrascht.

Weniger Chancen, durch Gags aufzufallen haben Silke Neukam-Ködel und Michael Vogler, die als Bäuerin und Bauer die seriösen Rollen haben. Genauso Miriam Glück als Tochter, die nach einem Aufenthalt in den USA "widder dahaam" ist und gleich einen Ami mitgebracht hat (Michael Bähr), in den sie sich verliebt hat, und der schließlich für die überraschende Wende und Lösung des Hof-Nachfolge-Problems sorgt.

Zwischen Ernst und Klamauk

Widder Dahaam Szenenbild

Und auch Jakob Kammerer als Sohn der Bauern und damit erwarteter aber unwilliger Hof-Nachfolger. Er zieht es vor, Abitur zu machen und sich eine Studierte als Freundin (Susanne Bähr) anzulachen. Eine Situation aus dem wirklichen Leben, mit der Isabella Leicht ein gewichtiges Problem der heutigen Landwirtschaft anreißt, aber auch haargenau trifft, ohne dieses in ihrem Stück groß auszubreiten.

Mehr szenische Auffälligkeiten, wenn nicht sogar Klamauk, fallen Marcus Hentschel als begütertem, sonst aber weder landwirtschaftlich noch zwischenmenschlich befähigtem Futtermittelfabrikanten Schlitzkorn zu. Mit dieser Figur deutet das Stück wieder Aktualität an: den Gegensatz von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft, aber wieder ohne auf die Sache explizit einzugehen. Hentschel alias Schlitzkorn rackert sich denn auch vehement in seiner Rolle ab. Er springt zwischen verschmähter Liebe und Leidenschaft einerseits und als Preuße sich geschäftstüchtig, aber für Franken viel zu plump, anbiedernd im Sekundentakt hin und her.

"Widder Dahaam" ist im diesjährigen Programm der Naturbühne sicher das unterhaltsamste Stück, das man als solches genießen kann - mit oder ohne Wahrnehmung von Aktualitätsbezügen. In jedem Fall ist die Spielfreude und auch die Qualität der (Laien!)-Schauspieler wie in Trebgast gewohnt wieder unübertroffen.

 

Premierenkritik von Klaus Klaschka am 22. Mai 2018 in der Bayerischen Rundschau.

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