von Moritz Weinmann

"Schenkelklopfer" mit acht Hauptrollen

Am Freitag ist die erste Premiere auf der Naturbühne Trebgast. Gezeigt wird das turbulente Volksstück "Widder Dahaam".

Der Countdown auf der Naturbühne läuft. Die Anspannung bei den Akteuren steigt langsam, aber merklich; zumindest bei den Schauspielern, die bei der ersten Premiere "dran" sind. Selbst die "alten Hasen" sind nach eigener Aussage davor nicht gefeit. Aber das ist ganz normal. Im Gegenteil: Sie brauchen dieses gewisse Kribbeln. Am Wehlitzer Berg nennt man es "Theater-Fieber." Und alle wissen auch: Das verschwindet ganz schnell in der Minute wieder, in der man auf die Bühne kommt und seinen ersten Satz gesprochen hat.

Am Freitag um 20.30 Uhr, ist es für das Ensemble des Volksstücks "Widder Dahaam" soweit. Es ist ein Stück, das Isabella Leicht aus München für das Chiemgauer Volkstheater geschrieben hat. Sie wirkte vor zehn Jahren bei diesem von Funk und Fernsehen bekannten Theater als Gastschauspielerin zwei Jahre lang neben so bekannten Leuten wie Gerhard Lippert, Egon Biscan und Mona Freiberg mit. Und obwohl Volkstheater eigentlich nicht ihr Genre war, hat sie in zwei Jahren acht Rollen gespielt, und es hat ihr Spaß gemacht. So kam es zu diesem Erstlingswerk, das 2010 vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde und 1,5 Millionen Zuschauer vor die Fernseher lockte. Für die Naturbühne hat es Siegfried Küspert ins Fränkische übersetzt. "Den Dialekt kann ich noch nicht, aber ich arbeite daran", sagt Isabella Leicht und lacht.

Auch auf der Naturbühne Trebgast inszeniert sie ihr Stück selbst. Und sie ist von "ihrer" neun Mann und Frau starken Truppe begeistert. "Das Stück hat acht Hauptrollen. Einige spielen zum ersten Mal so eine große Rolle", sagt sie anerkennend und bewundert den Einsatz der Akteure. Die Regisseurin kann das ja gut beurteilen, schließlich hat sie das Stück selbst geschrieben. "Wenn ich schreibe, habe ich ja schon genaue Vorstellungen, wie welche Rolle gespielt werden soll", erklärt sie.

Es geht um ein modernes Thema: Wie viele andere Eltern auch sind Lisa und Karl Huber verzweifelt und wissen nicht, was sie mit ihrem Hof und den Tieren machen sollen. Ihre Kinder Michaela und Jakob wollen den landwirtschaftlichen Betrieb jedenfalls partout nicht übernehmen. Der noch rüstige Opa hat auch andere Flausen im Kopf und ist deshalb keine große Hilfe. Da sind alle froh, dass die Tochter endlich von ihrem Auslandsaufenthalt in den USA zurückkommt. Ihre Mutter hat nämlich schon einen Bräutigam für sie ausgesucht, den reichen Futtermittelhändler Franz. Der sieht sich bereits als frisch gebackener Ehemann und neuer Besitzer des schmucken Anwesens. Aber alle haben die Rechnung ohne die attraktive Michaela gemacht

Was erwartet die Besucher? Eine turbulente Komödie mit einem schrägen Bühnenbild und ausgefallenen Kostümen. "Ein Schenkelklopfer soll es werden, richtig was für die Lachmuskeln und auch etwas für das Herz und für die Seele", verspricht die Regisseurin. "Schließlich dreht sich vieles um die Liebe, und zwar bei gleich drei Generationen, garniert mit viel Musik, richtig bekannten Straßenfegern." Und es geht zur Sache: Mit einer singenden und tanzenden Oma; einem Opa, der mit seinem "toten Hund" spricht; einem verrückten Futtermittelhersteller; einer Kuh, die live auf der Bühne ein Kälbchen bekommt, und einem Cowboy, der sich schon als lachender Dritter sieht.

"Das Publikum soll mit strapazierten Lachmuskeln und beschwingt von der Musik nach Hause gehen", das ist das Ziel von Isabella Leicht. Es soll ein Familienevent werden, das sich Kinder mit zehn Jahren genauso anschauen können wie der Opa mit 90 Jahren. Sie erinnert daran, dass Volkstheater im ursprünglichen Sinn ja für das ganze Volk da war.

17.05.2018, Dieter Hübner

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