von Moritz Weinmann

Wenn der Hausdrache flötet

Auch mit der letzten Premiere der Saison treffen die Darsteller der Naturbühne den Geschmack des Publikums. Die Komödie "Das sündige Dorf" ist einfach köstlich.

Wenn die Verfehlungen und Vergehen der Vergangenheit plötzlich in die Gegenwart zurückkehren und ein noch größeres Unheil heraufbeschwören, dann ist oftmals guter Rat teuer. Vor allem, wenn man allgemein als ein unbescholtener, tugendhafter Bürger gilt. Vom Musterknaben zum schwarzen Schaf zu mutieren, bringt unweigerlich einen totalen Ansehensverlust in einem kleinen Dorf in der fränkischen Provinz mit sich.

Der Absturz wird aber ganz gewaltig abgefedert, wenn man in auswegloser Hoffnungslosigkeit urplötzlich erfährt, dass die gesamte Herde nur aus schwarzen Schafen besteht. Die Premiere der Komödie "Das sündige Dorf" sorgte am Freitagabend in der voll besetzten Naturbühne Trebgast bei den Besuchern für ausgelassene Heiterkeit.

Der Großbauer Heiner Hahn (Werner Eberhardt) ist wegen seines vorbildlichen Lebenswandels höchst angesehen und bekommt deswegen von der Bürgermeisterin (Gabi Bähr) mitgeteilt, dass er als ein "Muster ehelicher Treue" einstimmig zum Kirchenpfleger gewählt wurde. Als solcher hätte er ein gewichtiges Wort bei diversen Angelegenheiten mitzureden, während er daheim nichts zu melden hat. Denn da führt das Regiment in unerbittlicher und keinen Widerspruch duldender Weise Ehefrau Anni (Marion Regnet). Seine Aussage, er habe die Hosen an, lässt seine Söhne Gerch (Marcus Hentschel) und Michl (Thorsten Neukam) daher zur ironischen Antwort "Ja, und die Mutter sagt dir, welche" kommen.

Ein Dorn ist dem Heiner im Auge, dass beide Söhne ein Auge auf die Evi (Sonja Zech) geworfen haben, denn die ist ein Produkt eines Fehltritts seinerseits. Sein Kumpel Kunz (Georg Küfner) hat sich bereit erklärt, offiziell als deren Vater zu fungieren. Als Gerch und Evi heiraten wollen, steht Heiner vor einem größeren Problem, denn für Anni ist die Evi die ideale Schwiegertochter.

Mit der Wahrheit herauszurücken, traut er sich nicht, denn Anni ist nicht nur schlagfertig, was ihre Wortwahl anbelangt. Andererseits muss die Hochzeit auf jeden Fall verhindert werden, doch wie? Sein Argument, Evi bringe als armes Mädchen keine Mitgift mit, stößt bei Anni auf taube Ohren. Das Chaos wird noch größer, als der Viehhändler Karl Lauterbach (Siegfried Küspert) auftaucht, der für seine Tochter Babett (Andrea Rochholz-Ganzleben) einen Ehemann sucht. Für Heiner wäre das die Lösung, zumal da auch noch eine ordentliche Mitgift zu erwarten wäre. Doch für Anni ist eine Verbindung ausgeschlossen, denn wie sich herausstellt, hat sie eine gemeinsame Vergangenheit mit Karl, die nicht ohne Folgen blieb, was der allerdings gar nicht weiß.

Regisseur Rainer Streng hat die Bauernkomödie auf pfiffige und aberwitzige Weise auf die Bühne gebracht. In prächtiger Weise agiert vor allem Marion Regnet als unerbittlicher, unausstehlicher "Hausdrachen", unter dessen Tyrannei Heiner duckmäuserisch dahinvegetiert. Auch bei den beiden Söhnen duldet sie keinen Widerspruch. Köstlich ihre Verwandlung, als das Auftauchen von Karl Lauterbach ihre Despotie plötzlich ins Wanken bringt und sie ihr Heil in der Flucht nach vorne sieht, sich in ein schmeichelndes, säuselndes, Süßholz raspelndes weibliches Wesen verwandelt. Ihr Ehemann weiß nicht recht, wie ihm geschieht, als er plötzlich mit "mein liebes Heinerla" angeflötet wird. Wunderbar präsentieren sich auch die beiden alten Kumpels Heiner und Kunz. Heiner sucht verzweifelt einen Ausweg aus der verfahrenen Lage und Kunz soll ihm dabei helfen, stellt sich aber noch ungeschickter an als Heiner. Auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache hervorragend, neben den erwähnten noch Bernt Pingel als Knecht Hans und Silke Neukam-Ködel als Magd Liesl. "Das sündige Dorf" ist ein unterhaltsamer Schwank einfach mal zum Abspannen und zum Lachen. Dass die ganze Geschichte zu einem guten Ende kommt, wird dem Kenner solcher Volksstücke schon bald klar, hindert aber in keiner Weise daran, einfach einen lustigen und kurzweiligen Abend zu haben.

 

Premierenkritik von Rainer Unger am 16.06.2019

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